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   Startseite > Land und Leute > Alle > Pazin
1) Allgemeine & wichtige Hinweise
2) Geschichte & Kultur
3) Alle Sehenswürdigkeiten auf einen Blick
4) Besichtigung & Stadtrundgang
5) Umgebung & weitere Orte
6) Mehr Bilder von Pazin

Allgemeine & wichtige Hinweise:
Genau in der Mitte der Halbinsel Istrien liegt die 1991 zur Kapitale ernannte Stadt Pazin. Sie ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, weil hier u.a. die Bahnlinie Divaca-Pula entlang führt. Die 5300 Einwohner der Stadt können jeden Tag aufs neue die üppig grüne Natur der Umgebung bewundern. Die drei typischen istrischen Landschaftszonen greifen hier ineinander. Da wäre der weiße karstige Nordosten, das schiefergraue Inneristrien und der terra rossa-rote Südwesten. Enge Täler und karstige Schluchten, sowie Hügel sind dicht bewaldet. Hier kann man das Naturphänomen vpn kleinen Flüssen bewundern, die plötzlich in Erdspalten verschwinden, vom Boden verschluckt.

Geschichte & Kultur:
Das Castrum Pisinium, ein Kastel welches an der 130m tiefen Fojba-Schlucht liegt gab es schon im 9. Jh. Die Stadt wird in einer Urkunde des Otto II von 963 erstmals erwähnt, als sie im Besitz vom Bischof von Porec war. Fürst Cernogradus (Meinhard Schwarzenburg), ein Karolinger errichtete hier die reiche im 12. Jh. gegründete Markgrafschaft Pisinium. Doch das Land blieb nicht lange in den Händen der Karolinger, die Herrschaft wechselte häufig. Der Graf von Görz übernahm 1248 den Ort und mußte ihn wiederum 1374 an die Habsburger abgeben. Die Ostküste Istriens, alle umliegenden Ortschaften und natürlich die Stadt Pazin selbst gehörten den Paziner Grafen. die die Stadt 1471 an Rijeka übergeben mußten. Die Rebellion unterdrückter Bauern von 1571 wurde blutig niedergeschlagen. 1766 herrschten das reiche Geschlecht der Montecuccoli über die Region, bis Pazin von 1825 bis 1861 zu deutsch Mittelburg gehörte. Die sogenannte österreichische Verwaltungskapitale stieg bald zu einem lebhaften Handelsplatz auf. Das erste kroatische Gymnasium öffnete 1899 hier und die Stadt wurde Hauptzentrum der kroatischen Kultur in Istrien. Italien okkupierte von 1918 bis 1943 die Halbinsel. In der Burg wurde ein Gefängnis eingerichtet. In unzähligen Partisanekämpfen gelang es Istrien zu befreien und an das spätere Jugoslawien anzuschließen.

Alle Sehenswürdigkeiten auf einen Blick:
Denkmäler im Park am trg Slobode
Pfarrkirche Sv. Nikola von 1266
Glockenturm 1705
Burg 13. – 16. Jh.
Volksmuseum (Ethnografski muzej Istre)
Fojba-Schlucht 130m tief

Besichtigung & Stadtrundgang:
Viele Sehenswürdigkeiten gibt es nicht in Pazin, doch geben die engen Gässchen, die Läden und der Wochenmarkt ein schönes Bild vom istrischen Leben wieder. Im Park am trg Slobode stehen die von „Dusan Dzamonja“ aus Vrsar geschaffene Denkmäler mit Darstellungen der Partisanenkämpfe. Führend unter den Denkmälern der sakralen Architektur sind die Pfarrkirche zum hl. Nikolaus und das Franziskanerkloster zur hl. Mariä Heimsuchung. Die Pfarrkirche zum Hl. Nikolaus wurde 1266 als ein einfaches Bauwerk mit offenem Glockenturm aufgebaut. Im Jahre 1441 wurde ein spätgotisches Sanktuarium mit der netzgewölbten Decke zugebaut. Das Gewölbe ist mit Fresken eines unbekannten Meisters aus der Schule der Alpenwerkstätten (wahrscheinlich aus Tirol) bemalt. die gegen 1460 entstanden sind. Das Bild der dramatischen „Kreuzigung“ ist ein wunderschönes Werk. Das Baujahr des Sanktuariums ist auf der lateinischen Inschrift mit dem ältesten Wappen Pazins angeführt. Durch spätere Umbauten hat die Kirche, geweiht 1764, ihr heutiges Aussehen erhalten. Von Anbeginn an hat sie den Präpositurstatus genossen. Die ältesten aus dem 17. Jh. (Tommasini, Petronio, Valvasor) stammenden Schilderungen betonen ihre Schönheit und das Reichtum der Sakristei und der Innendekoration. Sieben bestehende Altare stammen aus dem 17. und 18. Jh. Der Hauptaltar ist dem hl. Nikolaus geweiht (derjenige aus 1418 war der Gottesmutter geweiht). Die Grabsteinplatten erinnern an die alten Sitten der Bestattung in der Kirche oder in ihrer unmittelbaren Nähe. Unten im Glockenturm aus 1705 befindet sich ein Durchgang, der einst den Zutritt zu der mit der Steinmauer umgebenen Kirche verschaffte. Das Franziskanerkloster wurde 1481 gegründet und der Aufbau der Kirche wurde zwischen 1463 und 1477 vollendet. Die Franziskaner erweiterten sie und die Weihung erfolgte 1484. Schon fertig um diese Zeit war auch das Klostergebäude mit 12 Zimmern, einer Apotheke, einem Spital und einer Bibliothek. 1717 erhält das Kloster einen neuen Flügel mit dem Refektorium, damals dem größten Saal in der Stadt. Seit 1781 ist die Grundschule und seit 1836 das Gymnasium tätig. Die Klosterkirche ist ein rechteckiges Einschiffsgebäude mit einem polygonalen gotischen Sanktuarium, einer Seitenkapelle (aus 1729) und einem Glockenturm - die südlichste Widerspiegelung der Kreiner Gotik?, wie sie bezeichnet wird. Im Jahre 1536 wurde für den Hauptaltar ein Polyptychon des Malers Girolamo Santacroce angeschafft. Schöne Barockexemplare sind zwei Statuen der Immaculate. Vor der Kirche gab es den Klosterfriedhof, der Ende des 18. Jh. aufgehoben wurde. An seiner Stelle wurde 1816 ein Denkmal anläßlich des Sieges über die Franzosen errichtet, bestehend aus Kanonenkugeln, die die Franzosen beim Rückzug in die Grotte weggeworfen hatten. Am anderen Ende dieses Platzes steht das Gebäude des Staatsgymnasiums, des ersten in Istrien mit Unterricht in der kroatischen Sprache (aus 1899). Die Wappen der einstigen Herren von Pazin, die Bischöfe von Porec, die Patriarchen von Aquileia, das der Habsburger und der Montecuccoli, das derer von Andechs und dem der Wittelbachs grüßen von der größten und besterhaltensten Burg Istriens. Die Vierflügelanlage wurde zwischen dem 13. und dem 16. Jh. erbaut und erweitert. Die Burg ist eine zweistöckige Festung irregulären Grundrisses mit dem Innenhof. Ihr gegenwärtiges Aussehen entstand grossenmassen im 15. und 16. Jh. als Folge häufiger Umbauten. Die ursprüngliche Festung war ausgedehnt, mit einem Viereckturm, Stadtmauern, die auch die umgebenden Häuser umfaßten, und einer romanischen zur Madonna eingeweihten Kapelle. Über den Festungsgraben wurde einst die Zugbrücke benutzt. Die Errichtung des Halbkreisturmes (mit dem Durchgang im Unterbau) machte die Burg noch sicherer.
Aus der Burg verwaltete man die Pazin-Grafschaft, ein großes Lehnsgut, das 1374 von der österreichischen Dynastie Habsburg übernommen wurde. Im Mittelalter wurde die Burg zusätzlich verstärkt. Im 18.und 19. Jh. jedoch folgen die Abbauarbeiten: Das Bollwerk ums Plateau über der Grotte wird niedergerissen, der Graben und die Zugbrücke sind nicht mehr nötig und in der ersten Hälfte des 19. Jh. geht die Spitze des Viereckturmes weg. Die Zimmer erhalten neue Fenster, mehr Licht, die Burg öffnet sich zur Ortschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Burg zum Museumraum und von da an unterbringt das Ethnographische Museum Istriens, das Pazinstadtmuseum und dient als Lagerhaus des Geschichtsarchives. Das Volksmuseum (Ethnografski muzej Istre) ist täglich von 11-15 Uhr und im Sommer von 11-17 Uhr geöffnet. Einen Besuch lohnt allemal, da hier in den schönen viele mit Liebe zu Detail eingerichtete Burgräumen Schmuck, Trachten, traditionelle Musikinstrumente, alte Möbel, eine Bauernküche, Kirchenglocken und Handwerkszeug ausgestellt sind. In der Nähe gibt es ein Restaurant welches man unbedingt besuchen sollte, denn von hier kann man einen Blick in die schauderhafte Fojba-Schlucht riskieren. Nicht für schwache Nerven, wo selbst der berühmte „Dante Alighieri“ sie als die Finsternis und das Inferno beschrieb. Der italienische Dichter, der Anfang des 14. Jh. lebte, gelang nach einer Wanderschaft infolge seiner Verbannung aus Florenz auch nach Pazin. Auch „Jules Verne“ wurde von der Schlucht inspiriert und ließ in einem Roman, den Helden Graf Mathias Sandorf (1885) erst in die Zwingburg einkerkern und später unterirdisch ins Limski zaljev und nach Rovinj flüchten. In seiner Schilderung der Burg und der Grotte bediente er sich angeblich einer ihm vom Paziner Bürgermeister gegebenen Photographie. Der Abgrund des Bachs Pazinica - die Grotte - ist dank seiner Einmaligkeit zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Die Paziner Grotte ist das herrlichste Beispiel der Evolution der Karsthydrographie und -morphologie Istriens. Die Untergrundforschungen haben Galerien und Seen großer Tiefe entdeckt. Senkrechte Felsen ragen bis ein Hundert Meter empor und die von der Natur geschöpften Höhlen weisen interessante Eigenschaften auf. Wenn es stärker regnet entsteht ein See um die Grottenöffnung und ganz große Niederschläge verursachen Überflutungen.Die ersten Fachforschungen des Untergrundes wurden am Ende des letzten Jahrhunderts vorgenommen (Martel und Putick, 1896).

Umgebung & weitere Orte:
In Beram, einem kleinen Bauerndorf ca. 5 km westlich von Pazin auf einem bewaldeten Hügel, scharren sich nur wenige Häuser um die Martinskirche aus dem 15. Jh. Verpassen sie nicht den Einheimischen zu Treffen, der den Weg zur Kirche Marija im Fels (Marija na Skriljinah) auf dem Beraner Friedhof weist, die ca. 1 km entfernt liegt. 1474 schuf der Meister „Vincent de Castua“ aus Kastav die kostbaren Fresken. Er war der Vater von „Ivan de Castua“ der im slowenischen Hrastovlje die Trinitätskirche angemalt hat. Beide Kirchen sind weltberühmt für ihre eindrucksvolle „Biblia pauperum“, die Bilderbibel für Arme die nicht lesen konnten und dem „Danses macabres“. Die Freskenreiche in der Beramer Kirche ziehen 46 rechteckige wunderschöne Felder. Das Leben Christi und Marias stehen hier im Mittelpunkt. Schön zu sehen ist der Stil der damaligen sakralen Kunst, alle Nebenpersonen tragen anstatt römische Legionärskluft zeitgenössische Ritterrüstungen. An der Nordwand liegt die 8m lange Komposition „ Anbetung der Heiligen drei Könige“. Gleich daneben liegt ein Genrebild aus dem 15. Jh. „Letztes Abendmahl“, das sogar Judas mit den Silberlingen zeigt. Die Südwand wird von der Szene „Maria im Tempel“ dominiert. Weitere Bilder sind die “Verlobung Maria und Joseph“, das Fesko „Christus im Tempel“ und das Darstellung „Verkündung“, wo ein Kind aus dem Munde Gottes, auf der Taube des hl. Geistes auf Maria zufliegt. An der 7m langen Westwand ist eine ganz besondere, ja für die damalige Zeit eine geradezu revolutionäre Szene auf einer Freske. Das Leben wird aufgeteilt in drei Szenen, Der „Sündenfall, Fortuna dreht das Glücksrad und Totentanz“. Wobei beim Totentanz der Papst, Kardinal, Bischof, König und Königin, Wirt, Kind und Krüppel, Soldat und Kaufmann auf einer Stufe vor dem Sensenmann stehen. Dieses symbolisiert, daß alle Menschen im Tod gleich sind.

Gracisce - ein Städtchen mitten in gebirgiger bildschöner Landschaft, 10 km östlich von Pazin. Die Mehrzahl der Wohnhäuser tragen die eingemeißelten Baudaten aus dem 15. Jh.Im Mittelalter war der Ort ummauert. Am besten bewahrt von der ganzen alten Festungsanlage ist ein halbkreisförmiger Turm und das Haupttor mit einer Loggia im Erdgeschoß (z.Z. Sitz der Gemeindeverwaltung). Vier örtliche Kirchen werden berechtigt als Kulturdenkmäler bezeichnet. Die Gottesmutterkirche "am Platz" wurde 1425 aufgebaut (Aufschrift rechts beim Eingang) und im Innenraum gibt es ein Wandgemälde aus derselben Zeit. Am Platz steht auch die gotische Kirche zum hl. Antonius, ursprünglich im Rahmen der Residenz des Bischofs von Pi?an (als Bischofskapelle). In gewisser Entfernung von diesen zweien befindet sich die Kirche zur hl. Euphemia aus 1383. Nachträgliche Umbauten haben die Wesenszüge ihrer mittelalterlichen Architektur nicht beeinträchtigt. Im Sanktuarium hängt ein großes romanisches Kruzifix. Die Pfarrkirche zum hl. Vitus wurde in mehreren Phasen (von 1760 bis 1803) an Stelle eines kleineren früheren Gebäude gebaut. Besonders nennenswert unter den altertümlichen Wohnhäusern ist der repräsentative Salamunpalast, einmalig als ein gotisches Haus in diesem Teil Istriens.

 
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